Das Licht der Welt für die Finsternis der Sucht

Jesus Christus erzählt (Lukas15, Gute Nachricht):

Ein Mann hatte zwei Söhne. Der jüngere sagte: "Vater, gib mir den Teil der Erbschaft, der mir zusteht!" Da teilte der Vater seinen Besitz unter den beiden auf.
Nach ein paar Tagen machte der jüngere Sohn seinen ganzen Anteil zu Geld und zog in die Fremde. Dort lebte er in Saus und Braus und verjubelte alles. Als er nichts mehr hatte, brach in jenem Land eine große Hungersnot aus; da ging es im schlecht. Er fand schließlich Arbeit bei einem Bürger des Landes, der schickte ihn zum Schweinehüten aufs Feld. Er war so hungrig, dass er auch mit dem Schweinefutter zufrieden gewesen wäre, aber selbst das verwehrte man ihm.
Endlich ging er in sich und sagte: "Die Arbeiter meines Vaters bekommen mehr als sie essen können, und ich werde hier noch vor Hunger umkommen. Ich will zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich bin vor Gott und vor dir schuldig geworden; ich verdiene es nicht mehr, dein Sohn zu sein:"
So machte er sich auf den Weg zu seinem Vater. Der sah ihn schon von weitem kommen, und voller Mitleid lief er ihm entgegen, fiel ihm um den Hals und küßte ihn.
"Vater", sagte der Sohn, " ich bin vor dir und vor Gott schuldig geworden, ich verdiene nicht mehr. dein Sohn zu sein".
Aber der Vater rief seine Diener: "Schnell, holt das beste Kleid für ihn, steckt ihm einen Ring an den Finger und bringt ihm Schuhe. Holt das Mastkalb und schlachtet es! Wir wollen ein Fest feiern und uns freuen! Mein Sohn war
tot, jetzt lebt er wieder. Er war verloren, jetzt ist er wiedergefunden."
Und sie begannen zu feiern.


Am Anfang steht die Sehnsucht

Man sagt uns, wir Menschen seien die einzigen Wesen der Schöpfung, die nach vorne hin offen sind: offen für Veränderung, offen für Wachstum, offen für eine Zukunft. Wir machen uns auf um die Freiräume zu erobern. Wir nehmen unser Erbe voller Neugier in die Hand und ziehen in die Fremde. Wir experimentieren im Labor, erforschen Geheimnisse des Lebens, lassen uns unterm Messer verschönern, erweitern das Bewusstsein, verlängern das Leben, fliegen in den Weltraum, fliehen aus dem Verblassen der Ehe, jagen nach der ewigen Jugend.
Fragende Unruhe die uns treibt, ziehend und schiebend, langsam und beständig, dann wieder explosiv und unberrechenbar, einmal Kreise nach innen und in die Tiefe ziehend, dann wieder nach außen schleudernd. Leben ist Bewegung, bewegt von der Kraft, die wir Sehnsucht nennen.
Der Sehnsüchtige ist schöpferisch, erfinderisch, bereit zum Risiko Und hat er etwas gefunden, ist er befriedigt, aber nie völlig zufrieden. Die Suche geht weiter. Denn das Gesuchte wird zur Gegenwart, die Zukunft liegt von neuem offen.

Sehnsucht nach dem ganz anderen

In der Geschichte von Jesus aber bleibt die Bewegung nach vorne. Immer noch ist die Zukunft offen. Das scheinbare Ende ist der Anfang eines neuen Prozesses. Der Schweinetrog wird zum Symbol des Umbruchs. Verursacht hat das alles die Sehnsucht. Jetzt nicht nach mehr, nach weiter, nach teurer, nach aufregender, nach exklusiver oder alternativer, sondern eine Sehnsucht nach dem anderen. Sie macht die schmerzliche Erfahrung der bitteren Einsicht in das Scheitern erst möglich, ohne anderen Schuld zuzuweisen.
Jesus zeichnet in wenigen Sätzen unsere Bestimmung: das, was ans eigentliche Ziel führt, ist die bleibende Sehnsucht nach dem anderen. Und hier werden wir überrascht: das andere entpuppt sich als der andere, der Vater. Er liebt. Er ist barmherzig. Er versteht. Er gibt eine neue Existenz. Er macht ein großes Fest.
Wir sind auf diesen Vater Gott hin geschaffen, den ganz anderen. Er liebt anders, ohne Bedingung. Er vergibt anders, weil ohne stilles Aufrechnen. Er handelt anders, weil er gibt, ohne uns Bewährungszeit aufzuerlegen.
Aber wenn erst die Sehnsucht gestorben ist, dann ist das der wirkliche Tod. So ruft denn Jesus der Gesellschaft zu: Was immer ihr mit dem verlorenen Sohn macht, ob ihr ihn betört, verführt, ausraubt - und ihr werdet dafür Rechenschaft ablegen müssen -, tötet seine Sehnsucht nicht! Denn seine Sehnsucht ist seine Zukunft, weil sie ihn zum Vater zurück bringt, weil sie ihn zum Leben zurück bringt.
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